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Phnom Penh und die Geschichte Kambodschas

Heute sind wir ca. 15 km ausserhalb der Stadt zu einer Gedenkstätte, dem so genanten “Killing Field” gefahren. Um mehr davon zu verstehen ist ein kleiner Exkurs in die Geschichte Kambodschas nötig:
Im 14-15. Jh. zerfiel das Ankorreich. Es folgten verschiedene Kriege und Kolonialherrschaft der Franzosen. Nach dem Zerfall der französischen Kolonien wurde Kambodscha 1945 volle Souveränität gewährt. Während des Vietnamkrieges bombardierte die USA auch Kambodscha, um vietnamesische Versorgungsstrecken abzuschneiden. Der König von Kambodscha brach die diplomatischen Beziehungen zur USA ab.  Es wird vermutet, dass die USA wiederum einem General namens Lon Nol dabei behilflich war, den König zu stürzen. Kambodscha trat auf Seite der USA in den Vietnamkrieg ein.
Der ehemalige König ging ins Exil, wo er sich der Gruppe der Roten Khmer anschloss. Diese wollten zunächst die Regierung um Lon Nol stürzen. Bei ihrer Machtübernahme wurden sie als Befreier gefeiert. Doch von 1975-1979 wandelten sie sich zum Schrecken der Bevölkerung. Sie dezimierten die Bevölkerung in drei Jahren von 8 auf 5 Millionen Menschen. Es fanden erst wöchentlich und später täglich Massentötungen in den sogenannten Killing Fields statt, von denen es in Kambodscha an die 400 gibt.
Die Roten Khmer mit Pol Pot an der Spitze wollten mit Gewalt das Land zum Agrarkommunismus führen. Beim Einmarsch in Phnom Peng haben sie der Bevölkerung 48 Std. Zeit gegeben, die Stadt zu verlassen. Wer sich weigerte wurde hingerichtet. Die Menschen wurden gezwungen auf den Feldern zu arbeiten. Potenzielle Feinde des paranoiden Führers wurden gefoltert und auf die Killing Fields deportiert.
Auf dem von uns heute besuchten Killing Feld wurden ca. 17.000 Menschen ermordet und das auf brutalste Weise. Da Kugeln zu teuer waren, wurde mit allen verfügbaren Waffen auf die Menschen eingeschlagen. Äxte, mit Stumpfen Bambusstöcken oder Spitzen scharfen Werkzeugen aus der Landwirtschaft. Die Leichen wurden in Massengräbern gestoßen. Besonders entsetzlich war ein großer Baum, an den wurden Säuglinge und Kleinkinder geschlagen bis sie starben.
Nach größeren Regenfällen kommen immer noch Knochenteile aus dem Boden hoch. Wir fanden z.B. einen halben Unterkiefer auf dem Weg. Die meisten Knochen und Schädel wurden jedoch bereits geborgen. 9000 Schädel sind in einem Denkmal ausgestellt. Mehr passen nicht mehr rein. Die Roten Khmer wurden zwar Ende der 70er vertrieben, es entbrannte jedoch ein Bürgerkrieg um die Macht. Erschreckend ist, das die USA, China, Frankreich und Deutschland die Roten Khmer als offizielle Regierung anerkannten und sie im Bürgerkrieg zum Teil finanziell unterstützten.
Nun lebt das Land erst seit 20 Jahren im Frieden und vor diesem Hintergrund sind wir sehr beeindruckt von diesem Volk, das soviel gelitten hat und trotzdem nach vorne schaut, ehrgeizig versucht zu seinen Nachbarn aufzuschließen und sich dem Tourismus öffnet. Die Menschen sind alle sehr freundlich und es ist nicht eine aufgesetzte Freundlichkeit sondern eine, die von innen kommt. Hoffentlich kann Kambodscha sich dies in den nächsten Jahren bewahren.
Phnom Penh war nach Vertreibung der Roten Khmer eine zerstörte Geisterstadt. Sie wurde langsam und mit viel Energie wieder aufgebaut und hat sich zu einem quirligen Städtchen entwickelt. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, aber Phnom Penh ist am Fluss gelegen und hat immerhin einige Tempel und den Königspalast aufzuweisen. Außerdem gibt es hier eine große Auswahl an Bars und Restaurants.

Wir haben jedoch erst einmal einiges zu verarbeiten und entfliehen den staubigen Straßen und der Hitze auf dem Weg nach Sihoukville, einem Küstenort in Südkambodscha.